Kinderstress & Superkräfte

Was ist die Ausgangslage, warum spreche ich hier von Stress bei Kindern? Haben Kinder etwa immer Stress?

Es gibt positiven und negativen Stress. Ich spreche hier von negativem Stress, denn er kann auf Dauer zu einer großen Belastung werden. Stressfaktoren, wie Streit in der Familie und im Freundeskreis, Krankheit oder Tod von Bezugspersonen, Armut, Krieg oder Naturkatastrophen, gab es auch schon in früheren Zeiten. Selbst in Familien, die finanziell gut aufgestellt sind und denen es scheinbar an nichts fehlt, können Kinder unter Stressfaktoren leiden. Auch eine Reihe von entwicklungsbedingten Herausforderungen können Stress bei Kindern hervorrufen. Die großen Übergänge wie der Start in die Kitazeit oder der Wechsel von der Kita in die Grundschule sind zwei eindrückliche Beispiele. In der heutigen Zeit kommen zu schulischem Druck und gesellschaftlichen Erwartungen dazu, dass wir in unzähligen Bereichen unsere Auswahlmöglichkeiten gar nicht mehr überblicken können. Das führt zu einer dauerhaften Überforderung. Die permanente Reizüberflutung hat, im Vergleich zu vorangegangenen Generationen, stark zugenommen. Genauso verhält es sich mit dem generellen Medienkonsum.

Folgende Verhaltensweisen können ein Anzeichen für Stress bei deinem Kind sein.

Werden nun zwangsläufig alle Menschen stressbedingt krank? Nein! Was trägt dazu bei, dass Menschen gesund aufwachsen, gesund bleiben oder wieder werden, trotz dieser Stressfaktoren.

Das Zauberwort heißt Resilienz.

Nach Prof. Dr. Corina Wustmann Seiler „meint Resilienz eine psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber … Entwicklungsrisiken“1. Resilienz beschreibt also die Fähigkeit sich nach Krisen zu erholen und sich an die veränderten Umstände anzupassen. Es gibt eine Vielzahl an Faktoren, die die Resilienz eines Menschen beeinflussen, auf die ich an dieser Stelle kurz eingehen und einen Teil der bekannten Faktoren aufzählen möchte, um die enorme Wichtigkeit herauszustellen, die das Thema für unsere Kinder und uns hat.

Es ist bedeutsam für Kinder

– eine Perspektive zu haben. Ohne Perspektive ist ein Mensch hoffnungslos.
– das Gefühl zu haben, dass sie selbst in der Hand haben was mit ihnen geschieht.
Selbstbestimmung
– zu wissen was ihnen gut tut. Dafür brauchen sie eine gute Wahrnehmung für sich selbst, ihren Körper und ihre Bedürfnisse.
Selbstwahrnehmung
– sich selbst als wirksam zu erleben, denn es nimmt ihnen die Hilflosigkeit und gibt ihnen Kontrolle und Selbstbestimmung.
Selbstwirksamkeit
– ihre Gefühlswelt kennenzulernen, wahrzunehmen und regulieren zu lernen. Dies geschieht über das Erleben von Gefühlen und unzählige Gespräche darüber.

– Strategien zur eigenen Regulation zu erlernen. Dabei geht es nicht nur um die emotionale Regulation, wie bereits oben erwähnt, sondern auch um die körperlich und um den Zusammenhang zwischen diesen Bereichen.
Entspannungsfähigkeit = Regulation der eigenen Spannung
– kreativ denken zu können und Problemlösefähigkeiten zu erwerben, sie einzuüben und sie erfolgreich anzuwenden.
Flexibilität
– soziale Kompetenzen zu entwickeln und sich als Teil einer Gruppe und der Gesellschaft zu erleben.
– sich gesund zu ernähren und sich zu bewegen, sowie ausreichend zu schlafen.

Wäre es nicht wundervoll, wenn wir unseren Kindern eine

Werkzeugkiste

voll von diesen Fähigkeiten und Strategien an die Hand geben könnten, mit deren Hilfe sie in der Lage wären, ihre Herausforderungen zu meistern und an ihnen zu wachsen ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen? Ich nenne die Resilienzfaktoren, diese Vielzahl von Fähigkeiten und Strategien, gerne

Superkräfte.

So lassen sie sich auch schon kleineren Kindern leicht erklären.

Eine dieser Superkräfte ist, wie bereits aufgezählt, die Entspannungsfähigkeit. Es ist von immenser Bedeutung, dass unsere Kinder ihre natürliche Entspannungsfähigkeit, die wir ihnen durch unseren Alltag recht früh abtrainieren, wieder entwickeln lernen. Dadurch können sie die Aufgaben, Herausforderungen, Konflikte und Belastungen, die das Leben natürlicherweise mit sich bringt, gelassener meistern und ohne Schäden verkraften.

Kinder, die lernen sich zu entspannen, erleben sich als selbst wirksam! Sie lernen wahrzunehmen was ihnen gut tut, ihnen Spaß macht und wie sie selbst zu mehr Ausgeglichenheit gelangen können. Wer ausgeglichen ist, kann sich besser konzentrieren, ist kreativer und kann leichter lernen.

Ich stelle mir vor, dass jeder Mensch, jedes Kind, seine eigene Werkzeugkiste voller Fähigkeiten und Strategien, also Superkräfte, bei sich trägt und durch deren Anwendung in der Lage ist Herausforderungen zu meistern.

Kinder in Balance sind bereit für Herausforderungen!

Wie können wir unseren Kindern solche Strategien vermitteln, sie unterstützen, die Fähigkeiten zu entwickeln, die Werkzeugkiste ausbauen und ihre Superkräfte stärken? Es gibt dafür kein Patentrezept und die Möglichkeiten, dein Kind in der Stärkung seiner Resilienz zu unterstützen sind vielfältig.

Eine Möglichkeit, bei der viele der Superkräfte gleichzeitig und im spielerischen Tun und Erleben gestärkt werden können, ist das

„Bewegte Entspannen – Kinderyoga und mehr“

Durch die ganzheitliche Erfahrung von Bewegung, Entspannung und kreativem Tun können die Superkräfte deines Kindes entwickelt und gefördert werden. Der menschliche Körper braucht den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe, um sowohl körperlich als auch mental im Gleichgewicht zu bleiben. Gleichzeitig lernen Kinder von Geburt an, sich im Spiel mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Es liegt also nahe sie spielerisch an Bewegung und Entspannung heranzuführen.

Was ist das Bewegte Entspannen also und wie kann es dein Kind konkret darin unterstützen mit seiner eigenen Werkzeugkiste voller Superkräfte, Held seiner eigenen Zukunft zu sein?

Das Bewegte Entspannen ist eine kindgerechte und spielerische Kombination aus Bewegungselementen (z. B. Kinderyoga), Entspannungsmethoden (z. B. Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung), Atem-, Achtsamkeits- und Körperwahrnehmungsübungen und kreativem Tun (z. B. Mandalas malen oder legen). All das wird verpackt in Fantasiegeschichten und Spiele. So begeben wir uns zum Beispiel in einen Zauberwald, in dem ein Waldwichtel den Winter vertreibt und die Natur aus dem Winterschlaf erweckt oder reisen zur Yoga-Frühlingswiese, um die dort lebenden Tiere zu treffen. Ebenso erleben wir Heldenreisen in fantastische Abenteuerwelten und vieles mehr. So können die Kinder den kreativen Umgang mit Bewegung und die anschließende Ruhe genießen.

So eine Entspannungsstunde mit Kindern kann also durchaus auch lebhaft sein und Entspannen heißt nicht zwangsläufig zu liegen und die Augen zu schließen. Es ist wichtig, sie nicht mit unseren Erwachsenenvorstellungen zu überfordern. Kinder können sich ebenso in kurzen, ruhigen Sequenzen entspannen, denn ihre Akkus sind deutlich schneller aufgeladen als unsere. Um das Gefühl von körperlicher Entspannung bei Kindern anzubahnen, nutze ich Formen der beschäftigten Entspannung, wobei die Kinder Mandalas malen oder aus verschiedenen Materialien legen, etwas basteln, frei malen oder eine Massagegeschichte am eigenen Körper durchführen.

Dabei haben die Kinder immer wieder die Möglichkeit den Verlauf der Stunde mitzubestimmen. In der kleinen Gruppe von maximal acht Kindern ist in geschütztem Rahmen mal ganz nebenbei und mal ganz gezielt das Erlernen sozialer Kompetenzen möglich.

Gerade für feinfühlige, sensible und reizoffene Kinder kann das „Bewegte Entspannen“ eine angenehme und stärkende Erfahrung sein, da in der kleinen Gruppe Raum für Individualität vorhanden ist.

Mir ist es sehr wichtig den Kindern einen respektvollen und wertschätzenden Rahmen für ihre Erfahrungen zu bieten, ohne Leistungsdruck. Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch. Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit nutzen den Kindern einen wertschätzenden und mitfühlenden Umgang mit anderen Menschen und achtsamen Umgang mit dem Eigentum anderer nahezubringen.

Möglicherweise denkst du jetzt „das klingt ja alles ganz toll und ist bestimmt sinnvoll für mein Kind, aber wie erkläre ich ihm was es da macht und wozu das Ganze gut ist”?

An dieser Stelle kommen „meine” Kinder zu Wort und erklären, was sie am Bewegten Entspannen toll finden:

Ich spreche bewusst nicht von Entspannungstraining und mag auch das Wort Übungen nicht sehr in diesem Zusammenhang. Ein richtig guter Ersatz für beide Begriffe ist mir allerdings auch noch nicht eingefallen. Du darfst dich frei fühlen mir kreative Alternativen vorzuschlagen, falls dir eine Idee begegnet.

Mir ist der kindliche und spielerische Aspekt meiner Kurse sehr wichtig. Natürlich üben und trainieren die Kinder durch die Wiederholungen der Bewegungen, sowie durch die Routinen und Rituale, die zur Entspannung führen, jedoch geschieht dies für sie nicht bewusst und nicht zum Selbstzweck, sondern im spielerischen Tun und Erleben. Erst nach einiger Zeit und je nach Alter werden sie manche der Elemente bewusst für sich und auch außerhalb der Kurse nutzen, um zur Ruhe zu kommen. Das kommt von ganz alleine. In der Kindheit erfahrene und erlernte Strategien und Rituale können auch noch im Erwachsenenalter abgerufen werden, selbst wenn sie lange nicht genutzt wurden. Der Zugang zu der Thematik bleibt und kann leichter wieder gefunden werden, wenn Menschen schon in ihrer Kindheit mit Entspannungsmethoden in Berührung kamen.

Du kannst dein Kind darin unterstützen, in dem du ihm Zeit gibst und ihm die Möglichkeit schenkst an meinen Kursen teilzunehmen.

Mit gestärkten Superkräften ist dein Kind bereit für Herausforderungen. Ein ausgeglichenes und resilientes Kind kann sich insgesamt sehr positiv auf das ganze Familienleben auswirken.

Willst du ein ausgeglichenes Kind und ein harmonisches Familienleben?

Hier findest du das aktuelle „Bewegte Entspannen – Kinderyoga und mehr“ Angebot.

  1. Wustman Seiler, Corinna: Resilienz – Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern; Cornelson; S.18 ↩︎